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ARBEITSZEITDOKUMENTATION AN DER CHARITÉ Offener Brief der Ärzteinitiative an den Vorstand Presseerklärung
Nachrichtlich: Aufsichtsrat der Charité, c/o Herr Dr. Thilo Sarrazin, Senatsverwaltung für Finanzen, Klosterstraße 59, 10179 Berlin Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Herrn Klaus Wowereit, Senatskanzlei, 10871 Berlin
Sehr geehrter Herr Prof. Ganten, Sehr geehrter Herr Prof. Paul, Sehr geehrter Herr Dr. Behrends,
Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister, Sehr geehrter Herr Dr. Sarrazin, An der Charité – Universitätsmedizin Berlin wird von Ärztinnen und Ärzten in erheblichem Umfang zur Sicherstellung der Krankenversorgung und insbesondere auch zur Ermöglichung des Betriebs in Forschung und Lehre unbezahlte Arbeit in Form von nicht erfassten Überstunden erbracht. Eine repräsentative Erhebung der Ärzteinitiative im Februar 2005 ergab, dass die Ärzteschaft ca. 85.000 unbezahlte Überstunden pro Monat erbringt. Die Ärzteschaft subventioniert damit die Charité mit einem Betrag von ca. 21 Mio. Euro pro Jahr. Der Wert dieser ohne Vergütung erbrachten Arbeitsleistung ist fester Bestandteil der betriebswirtschaftlichen Kalkulation der Charité. An der Charité existiert derzeit kein einheitliches Verfahren zur Arbeitszeitdokumentation. In einzelnen Bereichen verwendete Systeme zur Arbeitszeiterfassung sind Gegenstand des regelhaften Missbrauchs. Obwohl die die Ärzteinitiative den Vorstand bereits mehrfach hierauf hingewiesen hat, erklärte der Vorstand auf Anfrage des Aufsichtsrats vor kurzem, dass es aufgrund der Daten aus der vorliegenden Arbeitszeitdokumentation keine unbezahlten Überstunden an der Charité gebe. Eine objektive Erfassung der Arbeitszeiten des ärztlichen Personals auch im Hinblick auf die Herstellung gesetzeskonformer Verhältnisse in den Abteilungen ist auf der Basis des derzeit angewendeten Systems nicht möglich. Die Ärzteinitiative fordert daher den Vorstand auf, umgehend die Voraussetzungen für eine flächendeckende und objektive Arbeitszeiterfassung für das ärztliche Personal zu schaffen. Die Ärzteinitiative verweist in diesem Zusammenhang weiterhin auf den gleichlautenden Beschluß des Aufsichtsrats vom 02. Dezember 2005 . Aus Gründen der kurzfristigen Umsetzbarkeit fordert die Ärzteinitiative als ersten Schritt daher die verbindliche Einführung des an der Charité bereits existierenden Systems „PEP – Polypoint“ in ausnahmslos allen Bereichen der Charité zum 01.März 2006 . Für eine objektive Erfassung der Arbeitszeiten ist hierfür – entgegen der bisherigen Praxis – als Grundvoraussetzung die Einrichtung einer individuellen Zugangskennung für jeden einzelnen Mitarbeiter der Charité sowie die Einrichtung eines Beauftragten aus jeder Berufsgruppe innerhalb einer Abteilung mit uneingeschränktem Zugang zu allen Arbeitszeitdaten des Bereichs erforderlich. Die Ärzteinitiative sieht dies als Zwischenschritt zur Einführung eines modernen Arbeitszeiterfassungssystems auf Chipkartenbasis an. Die objektive und flächendeckende Arbeitszeiterfassung ist Grundvoraussetzung für eine Bezifferung des Werts der durch Ärztinnen und Ärzte geleisteten Arbeit im betriebswirtschaftlichen Sinne und stellt die Voraussetzung für die Erarbeitung von Strategien zur Vermeidung von regelmäßigen Überstunden durch Optimierung von Arbeitsabläufen und Tätigkeitsprofilen des ärztlichen Personals dar. Die Ärzteinitiative ist bereit, sich bei Vorliegen objektiver Arbeitszeitdaten konstruktiv an der Neuorganisation der Tätigkeit des ärztlichen Personals zu beteiligen. Beschlossen durch die Ärzteinitiative der Charité am 23.01.2006.
Gez. Dr. Thomas Zoller Dr. Alexander Korte Dr. Kilian Tegethoff Dr. Oliver Peters Dr. Rebekka Kretz Dr. Malte Schröder Dr. Olaf Guckelberger Dr. Eckart Schott
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